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Der operative Zweig der Humanmedizin

Chirurgen arbeiten in vielen verschiedenen Fachbereichen und therapieren auch ohne Operationen 

Die Chirurgie ist als einer der operativen Zweige der Humanmedizin darauf ausgelegt, die Patienten mit und ohne Operationen bestmöglich zu behandeln. Die Chirurgie umfasst die Vorbeugung, die Erkennung, die konservative und operative Behandlung, die Nachsorge und Rehabilitation und die Behandlung von Verletzungen und Fehlbildungen.

Wenn möglich, behandeln Chirurgen nicht invasiv durch eine Operation, sondern führen konservative Eingriffe durch, sofern es der Zustand oder die Erkrankung des Patienten erlauben. Viele Erkrankungen bessern oder heilen Chirurgen auch durch Medikamente, physikalische Behandlung oder Ruhigstellung. Knochenbrüche beispielsweise heilen in vielen Fällen ohne Operation aus: bei einem glatten Beinbruch legen Chirurgen häufig einen Gipsverband zur Ruhigstellung an und der Knochen heilt ohne operativen Eingriff.

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Foto: Fotolia/Benjamin Nickel 
Besonders die Geschichte der Chirurgie umfasst viele verblüffende Elemente, die heutzutage Standard sind, jedoch häufig erst durch Experimente und Zufälle ins medizinische Wissen Einzug hielten. Die ersten erfolgreichen Operationen waren vor allem Amputationen, die schon in der Steinzeit durchgeführt wurden und sich anhand von Skelettfunden belegen lassen. In der Antike und im Mittelalter wurde mit metallischen Instrumenten operiert, doch die Hauptaufgaben von Chirurgen bestanden in der Blutstillung nach Verletzungen und in der Behandlung von Knochenbrüchen und eitrigen Geschwüren. Zur Schmerzlinderung wurde hauptsächlich Opium eingesetzt – sofern der Patient überhaupt betäubt wurde. Etwa ab dem 16. Jahrhundert erweiterten Leichenöffnungen die Kenntnisse der Anatomie und den chirurgischen Horizont ganz wesentlich. Da über die Infektionsgefahrenfast nichts bekannt war, verbreiteten sich Keime vom Operationsbesteck aus über viele Patienten, die dann an Sepsis starben.

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Foto: Fotolia/ Boris Zerwann
Erst Ignaz Semmelweis, Joseph Lister, Robert Koch und Louis Pasteur wiesen die Infektionskeime nach und revolutionierten mit der Sterilisation die Chirurgiepraxis. 1846 wurde erstmals ein Patient mit Äther narkotisiert und operiert. Zuvor war ein Chirurg gezwungen, möglichst schnell zu arbeiten, damit die Patienten nicht durch Schmerz und Schock starben. Ohne die Entwicklung der Anästhesie wäre die heutige Chirurgie nicht denkbar.Das Aufgabenfeld eines Chirurgen ist sehr weit gefasst. Nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung von 2008 umfasst die Chirurgie in Deutschland folgende Facharztrichtungen (auch in den Fachgebieten Frauenheilkunde, Ophthalmologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Dermatologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie und Urologie sind chirurgische Eingriffe üblich):

1. Allgemeinchirurgie

2. Gefäßchirurgie

Sie umfasst die konservative, endovaskuläre oder operative Behandlung der Blutgefäße. Zur Gefäßchirurgie gehört auch die operative Behandlung der das Gehirn versorgenden Gefäße bei Arteriosklerose zur Schlaganfallprophylaxe. Daneben werden in der Gefäßchirurgie Shunts angelegt.

3. Herzchirurgie

Die Herzchirurgie ist ein seit 1993 selbständiges Fachgebiet, das sich aus der allgemeinen Chirurgie, mit dem Spezialgebiet Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, entwickelt hat und das sich mit der chirurgischen Behandlung von angeborenen und erworbenen Krankheiten und Verletzungen des Herzens und der herznahen Gefäße befasst.

4. Kinderchirurgie

Die Kinderchirurgie ist ein eigenständiges Fach im Gebiet der Chirurgie, welches die Diagnostik, operative und konservative Therapie wie Nachsorge von chirurgischen und urologischen Erkrankungen, Fehlbildungen, Organtumoren, Verletzungen und Unfallfolgen des Kindesalters einschließlich der pränatalen Chirurgie umfasst.

5. Orthopädie und Unfallchirurgie

Das zentrale Betätigungsfeld der Unfallchirurgen ist der Bewegungsapparat mit Skelett und Muskulatur, Bändern und Sehnen. Teil- und Nachbargebiete der Unfallchirurgie sind Kindertraumatologie, Handchirurgie, Plastische Chirurgie, Sporttraumatologie und Rehabilitation in der Unfallchirurgie.

6. Plastische Chirurgie

Die Plastische Chirurgie (griech. plattein – bilden, formen, gestalten) nimmt aus funktionellen oder ästhetischen Gründen formverändernde oder wiederherstellende Eingriffe an Organen oder Gewebeteilen vor. Das Ziel der Plastischen Chirurgie ist es, die Körperform und sichtbar gestörte Körperfunktionen wiederherzustellen oder zu verbessern.

7. Thoraxchirurgie

Die Thoraxchirurgie umfasst die Prävention, Diagnostik und Behandlung chirurgischer Erkrankungen und Fehlbildungen der Lunge, der Pleura, des Bronchialsystems, des Mediastinums und der Thoraxwand. Meist wird dazu der Thorax geöffnet, doch videoassistierte minimalinvasive Operationstechniken gewinnen immer mehr an Bedeutung.

8. Viszeralchirurgie

Die Viszeralchirurgie (von lat. viscera = Eingeweide), auch Abdominalchirurgie und Bauchchirurgie, umfasst die operative Behandlung der Bauch-Organe, d.h. des gesamten Verdauungstraktes. Weiterhin zählt die operative Behandlung der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse sowie die Behandlung von Brüchen und die Transplantation von Bauchhöhlenorganen zur Viszeralchirurgie. Viszeralchirurgische Erkrankungen sind unter anderem akute Verletzungen, Tumore, Entzündungen und Fehlbildungen der genannten Organe.
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