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Wasser, das über eine Regenwassernutzungsanlage gesammelt wurde, lässt sich zum Wäschewaschen einsetzen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Wasser, das über eine Regenwassernutzungsanlage gesammelt wurde, lässt sich zum Wäschewaschen einsetzen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
12.7.2019, 08:00 Uhr

Der Trockenheit vorbeugen

So können Haushalte Regenwasser nutzen

Die Trockenheit 2018 hat uns gelehrt, unseren Wasserverbrauch zu hinterfragen. Doch gerade an heißen Sommertagen duschen viele Menschen häufiger, auch die Pflanzen im Garten brauchen Nachschub. Regenwasser zu horten kann eine Lösung sein. Wie funktioniert das?

Der Sommer 2018 (und teils auch der diesjährige Sommer) ist vielen mit seinen Extremen in Erinnerung: In einigen Regionen Deutschlands gab es wochenlange Trockenheit, in anderen zeitweise Starkregen und Überschwemmungen. Angesichts solcher Naturereignisse fragt sich mancher: Wie kann ich zu Hause vorsorgen? Denn weder zu viel noch zu wenig Wasser ist dort gut. Welche Wege gibt es also, Trinkwasser zu sparen und trotzdem genügend Nass für Haus und Garten zu haben?

„Eine Antwort auf diese Fragen kann die intelligente und nachhaltige Nutzung des Regenwassers sein“, sagt Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung. „Mit einer Regenwassernutzungsanlage kann das Regenwasser sogar im Haushalt Verwendung finden und so wertvolles Trinkwasser ersetzen.“
  

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Solche Anlagen sind nicht nur bei Trockenheit hilfreich, sondern auch bei Starkregen. Denn die Zisterne kann das viele Wasser auffangen. Dieser Effekt ist umso größer, je mehr Hausbesitzer in einem Wohngebiet solche Erdspeicher betreiben. „Günstig ist es, wenn das überschüssige Wasser zusätzlich die Möglichkeit hat, im Boden zu versickern“, sagt Sperfeld. „Dazu darf allerdings nicht allzu viel Bodenfläche versiegelt werden, wie es leider immer wieder geschieht.“

Wie funktioniert eine Regenwassernutzungsanlage?

„Der Regen von der Dachfläche wird gesammelt und über die Regenfallrohre durch einen Filter geleitet. Dann fließt es in einen Erdspeicher, auch Zisterne genannt“, erklärt Andreas Braun vom Zentralverband Heizung Sanitär Klima. Diese Speicher gibt es in verschiedenen Größen. Sie lassen sich unauffällig unter der Garagenzufahrt oder im Garten unterirdisch unterbringen.

Wichtig ist, dass das Regenwasser gut gereinigt wird. „Dazu dient neben dem vorgeschalteten Filter ein beruhigter Regenwasserzulauf.“ Er vermeidet, dass im Speicher Sedimente aufgewirbelt werden. „Um das Wasser aus den saubersten Schichten im Behälter zu entnehmen, wird der Entnahmeschlauch schwimmend verlegt“, erläutert Braun.

Kann jeder so eine Anlage nutzen?

Nicht ganz. „Einige Dachmaterialien sind für das Auffangen und die weitere Nutzung von Wasser im Garten nicht oder nur beschränkt geeignet“, sagt Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt. So können von Dächern aus Kupfer und Zink zum Beispiel Metallverbindungen abgeschwemmt werden, die schädigend für die Umwelt sind. Auch bei Dächern mit Teerpappe kann die Bitumenabdichtung Biozide freisetzen. Bei solchen Flächen sollte man von einer Regenwassergewinnung also absehen.

Wo kommt das Zisternenwasser im Haushalt zum Einsatz?

Es eignet sich beispielsweise für die WC-Spülung, zum Putzen und zum Wäschewaschen. „Die Trinkwassereinsparung beträgt dadurch etwa 50 Prozent des häuslichen Verbrauchs“, erklärt Sperfeld.

Wer Wäsche mit Regenwasser reinigt, sollte aber vorsichtig sein, wenn Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder Säuglinge im Haushalt leben. „Zwar werden beim Wäschewaschen mit Regenwasser durch Temperatur und Waschmittel gesundheitsgefährdende Keime in der Regel abgetötet“, sagt Kirschbaum. „Bei den anschließenden Spülungen mit kaltem Wasser ist dies jedoch nicht sichergestellt, so dass Keime in die Wäsche übertragen werden können.“ Dieses Risiko kann man nur durch eine geeignete Aufbereitung des Wassers ausschließen, oder wenn man die Wäsche anschließend bügelt. Grundsätzlich gilt: „Regenwasser hat oft die Qualität von Badegewässern, ist also sauber und klar“, sagt Sperfeld. „Kommt es allerdings von begrünten Dächern, kann es leichte Verfärbungen haben, die aber die Qualität nicht beeinträchtigen.“

Brauche ich eine separate Regenwasserleitung im Haus?

Ja. „Wer Regenwasser nutzt, braucht ein zweites Leitungssystem zusätzlich zur Trinkwasserleitung“, sagt Braun. Denn laut der Trinkwasserverordnung muss man sicherstellen, dass es an der Regenwassernutzungsanlage eine Sicherung gibt, die verhindert, dass sich Regenwasser mit Trinkwasser mischt. Diese Leitungen müssen farblich so gekennzeichnet sein, dass offensichtlich ist, dass sie kein Trinkwasser führen.

Wie lange reicht ein Regenwasserspeicher bei Trockenheit?

Das kommt auf den Verbrauch an. „Drei bis vier Wochen sollte das Wasser schon reichen, wenn der Speicher voll war“, sagt Sperfeld. „In längeren Trockenperioden kann es erforderlich sein, dass Trinkwasser nachgespeist werden muss.“ Andreas Braun rät: „Wer viel Regenwasser nutzt, sollte mit seinem Versorger sprechen, ob die Trinkwasseranlage dann kleiner ausfallen kann und damit günstiger wird.“

Mit Regenwasser und einem zusätzlichen Brunnen wäre sogar eine autarke Wasserversorgung möglich. Aber dies sei in Deutschland kaum ein Thema, wendet Sperfeld ein: Nur ein Prozent der Verbraucher ist nicht an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen, zum Beispiel auf den Halligen in der Nordsee und in Gebirgsregionen.

Dennoch: Es lohnt sich eigentlich immer, Regenwasser zu speichern und zu nutzen. „Das ist ökonomisch und ökologisch. Denn sauberes Trinkwasser kann in manchen Regionen nur mit immer größerem Aufwand bereitgestellt werden und wird daher immer teurer“, erklärt Sperfeld. dpa/tmn
 

Regenwasser auch ohne spezielle Anlage besser nutzen

Auch ohne Regenwassernutzungsanlage am Haus kann jedermann das Regenwasser besser ausnutzen, zum Beispiel mit einer Regentonne an der Hauswand: „Das Gießen von Pflanzen, Bäumen, Obst und Gemüse in Haus und Garten ist die einfachste und sinnvollste Nutzung von Regenwasser“, sagt Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt. Die Bewässerung des Gartens mit Regenwasser ist hygienisch unbedenklich – und viele Pflanzen vertragen Regenwasser besser als hartes Trinkwasser. Das gilt zum Beispiel für Rhododendren und Geranien. dpa/tmn
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