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Selbsterkundungstools wie das Internetportal „Berufe Entdecker“ können Jugendliche dabei unterstützen, eigene Stärken und Schwächen zu analysieren. Foto: Robert Günther/dpa-tmn
Selbsterkundungstools wie das Internetportal „Berufe Entdecker“ können Jugendliche dabei unterstützen, eigene Stärken und Schwächen zu analysieren. Foto: Robert Günther/dpa-tmn
23.5.2019, 08:30 Uhr

„Sie schlummern in uns allen"

Erst mal ein Bewusstsein für sich selbst entwickeln – Talente für die Berufswahl erkennen

Mit dem Traumberuf ist es so eine Sache. Manche haben schon im Kindergarten eine Vorstellung vom idealen Job und steuern zielstrebig darauf zu. Andere wissen nach dem Schulabschluss immer noch nicht genau, in welchem Bereich sie arbeiten möchten. Um eine Entscheidung zu treffen, hilft es, seine eigenen Stärken kennenzulernen und dann nach einem geeigneten Job zu suchen. Das ist allerdings gar nicht so leicht.

„Bei der Erforschung der eigenen Talente geht es in erster Linie darum, ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln. Zunächst steht die Frage im Mittelpunkt: Was interessiert mich?“, erklärt Johannes Wilbert, Berufsberater vom Institut zur Berufswahl aus Wetter an der Ruhr. Dann sollte man sich fragen: Welche Eigenschaften und Fähigkeiten am Interessensgebiet sind mir wichtig? „Daraus folgt dann das Motiv, warum ich mich für eine Sache begeistern kann. Was treibt mich an, dieses Interesse zu haben? Im Endeffekt entwickelt sich eine Ich-Bewusstheit“, erklärt der Berater.

Was macht mir Spaß, was kann ich gut?

Idealerweise beginnen Menschen schon früh mit der eigenen Suche nach Interessensgebieten: „Jugendliche sollten sich fragen, was ihnen Spaß bringt und was sie besonders gut können. Erkennen lässt sich das beispielsweise durch Schulnoten, Ehrenämter, aber auch Hobbys“, sagt Christian Weinert, Pressereferent bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Um Jugendliche und junge Erwachsene bei diesem Prozess zu unterstützen, bietet die BA verschiedene Angebote.

Selbsterkundungstools im Internet können Jugendliche dabei unterstützen, eigene Stärken und Schwächen zu analysieren. Am Ende eines solchen Tests werden Berufs- und Studienfelder genannt, in denen die ermittelten Interessen und Talente gefragt sind, erklärt Weinert. Das Internetportal „Berufe Entdecker“ ist beispielsweise ein guter Ausgangspunkt. Grundsätzlich sollten die Angebote im Internet aber die persönliche Beratung nicht ersetzen. Daher empfiehlt die Bundesagentur: Einfach in die nächste Arbeitsagentur gehen und einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren. Nicht jede Begabung muss bereits beim Berufseinstieg vorhanden sein. Viele Fähigkeiten können auch noch während einer Anstellung oder eines Studiums erlernt werden. „Ich muss bei der Frage nach der Berufswahl nicht schon Antworten auf alle Fragen haben“, so Christian Weinert. Praktika oder Ferienjobs können ebenfalls helfen, die eigenen Stärken zu erkennen – schließlich kann man ja gar nicht wissen, was man mag, wenn man nicht weiß, was es gibt. „Hierbei steht vor allem das konkrete Ausprobieren im Vordergrund. Oft sind Talente besonders dort, wo ich es gar nicht bemerke, da mir diese Tätigkeiten ganz leicht und selbstverständlich von der Hand gehen“, sagt Berufsberaterin Hanne Bergen. Während eines Praktikums könne man viel austesten – man müsse sich allerdings trauen.

Nach dem Ausprobieren folgt das Reflektieren: Welche Tätigkeiten haben einem besonders Spaß gemacht und welche Dinge fielen besonders leicht? „Bei der Analyse hilft ein Good Time Journal. Hierbei schreibe ich täglich alle einzelnen Tätigkeiten von Schule, Freizeit und Job auf“, erläutert Hanne Bergen. Zu jedem Punkt kommen Notizen, wie groß die Begeisterung für die Tätigkeit und wie das eigene Energielevel dabei war. Aus diesen Ergebnissen entsteht dann ein Profil.

Mit Eltern und Freunden reden

Außerdem helfen Feedback- Gespräche weiter. „Jugendliche können mit ihren Eltern oder Freunden reden und sich spiegeln lassen, was sie gut können und wo ihre Stärken liegen“, so Bergen. Lehrer oder Trainer sind ebenso gute Ansprechpartner. Im Job kann man den Austausch mit Kollegen oder dem Chef suchen. Nicht zuletzt bieten Berufsberater oder Coaches Unterstützung.

Aber braucht jeder tatsächlich spezielle Begabungen, um auf dem Arbeitsmarkt einen Job zu finden? „Talente schlummern in uns allen, ich muss diese nur entdecken“, meint Christian Weinert. Johannes Wilbert bezeichnet ein Talent als „außergewöhnliche Gabe, die sich aus der Kombination von Fähigkeiten ergibt“. Wenn diese Begabung erstmal gefunden ist, dann könne jeder mit einem Talent ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln.

Für denjenigen, der seine Talente gefunden hat, beginnt nun die Suche nach einem passenden Job. „Mit einem persönlichen Profil besucht man Jobmessen, Tage der offenen Tür oder ähnliche Veranstaltungen – auch Gespräche mit Arbeitnehmern oder Studierenden sind für Jugendliche hilfreich“, erklärt Bergen. Dabei werde geschaut, was man aus seinen Talenten machen kann. Bei der Recherche ergeben sich dann neue Ideen für Berufsfelder oder Studienrichtungen. dpa/tmn


Sterben Berufe aus?

Wie digital ist mein Job? Auf was Azubis achten müssen

Computer an jedem Arbeitsplatz: Kaum ein Ausbildungsberuf wird in Zukunft noch ohne moderne digitale Technik auskommen – so wie hier im Industrie-4.0-Labor von Daimler. Foto: Christoph Schmidt/dpa/dpa-tmn
Computer an jedem Arbeitsplatz: Kaum ein Ausbildungsberuf wird in Zukunft noch ohne moderne digitale Technik auskommen – so wie hier im Industrie-4.0-Labor von Daimler. Foto: Christoph Schmidt/dpa/dpa-tmn
Macht mir das Spaß? Kann ich das? Werde ich gut bezahlt? Diese Fragen stellen sich Auszubildende seit Jahren und Jahrzehnten. Doch immer öfter kommt im Zuge der Digitalisierung eine weitere Frage hinzu: Gibt es den Beruf in 20 Jahren überhaupt noch? Schließlich macht der rasante technische Fortschritt viele Jobs überflüssig – behaupten zumindest manche Forscher und Studien. Doch Torben Padur vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gibt Entwarnung: „Dass Berufe wegfallen, sehen wir eher nicht.“

Ein Grund dafür: Ein Beruf ist hierzulande mehr als nur ein „Job“ nach englisch-amerikanischem Verständnis – nämlich eine ganze Ansammlung von Tätigkeiten oder Kompetenzen. „Entsprechende Studien aus den USA sind da schwer übertragbar, weil das Verständnis von Berufen ein ganz anderes ist“, sagt Padur. „Was eher wegfällt, sind einzelne Tätigkeiten innerhalb dieser Berufe.“

Und selbst die Zahl dieser Tätigkeiten, die künftig eine Maschine und kein Mensch mehr erledigt, sei nach heutiger Prognose eher gering. Was aber nicht heißt, dass die Digitalisierung die Welt der Berufe nicht auf den Kopf stellt – im Gegenteil. „Das traditionelle Berufsbild, das man da manchmal noch hat, ist oft gar nicht mehr korrekt.“

Und das gilt fast in jedem Job, so der Experte, der beim BIBB den Arbeitsbereich für gewerblich-technische Berufe leitet. Selbst der Bäcker habe heute viel mehr mit technisch gestützter Fertigung zu tun als mit einer klassischen Handwerkstätigkeit. Und die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik kommen heute nicht mehr nur, wenn im Bad etwas überläuft. Stattdessen kümmern sie sich auch um die Installation von Smart-Home-Technik für ein vernetztes Zuhause.

Ausbildungsberufe fallen also nicht weg, sondern erfinden sich eher neu. Ganz neue Berufe entstehen dagegen eher selten. Zuletzt gab es das beim Kaufmann E-Commerce: Seit dem 1. August 2018 können Betriebe junge Leute dazu ausbilden. „In der Regel ist es aber eher so, dass innerhalb eines Ausbildungsberufs neue Spezialisierungen geschaffen werden“, sagt Padur.

Hinzu kommen Zusatzqualifikationen: Neue Technologien sind dann noch nicht Pflicht-Bestandteil einer Ausbildung. Betriebe, die damit schon arbeiten, können ihre Azubis aber ebenfalls darin ausbilden. Darauf sollten angehende Auszubildende ruhig achten, rät Padur. „Als Azubi ist die Frage gar nicht so sehr, ob mein Ausbildungsberuf zukunftssicher ist. Was ich aber machen kann, ist zu schauen, wie der Betrieb aufgestellt ist, welche Qualifikationen der vermittelt.“

Selbst ein guter Betrieb mit den allerneuesten Technologien wird Azubis aber kaum so ausbilden, dass sie nie mehr etwas lernen müssen – dafür läuft die Entwicklung zu rasant. Wichtig sei im Zeitalter der Digitalisierung, ein Leben lang lernen zu können, erklärt Padur. „Den Begriff „ausgelernt“ gibt es so nicht mehr.“ dpa/tmn

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