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Eine Umschulung sollte genau geplant sein: Dazu vereinbaren Interessierte am besten einen Beratungstermin in der Agentur für Arbeit. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
Eine Umschulung sollte genau geplant sein: Dazu vereinbaren Interessierte am besten einen Beratungstermin in der Agentur für Arbeit. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
24.07.2019, 15:00 Uhr

Zick-Zack-Lebensläufe sind willkommen

Wer sich beruflich umorientieren möchte oder muss, hat keine so schlechten Chancen – Was es zu beachten gilt

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Manche Berufsbilder sind inzwischen überholt. Dann kann eine Umschulung sinnvoll sein. Damit sie von der Arbeitsagentur finanziert wird, müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Vom Maurer zum Bürokaufmann, vom Lagerarbeiter zum Altenpfleger: Wer beruflich noch einmal ganz neu anfangen will oder muss, kann eine Umschulung machen. Doch was genau ist das eigentlich?

„Im eigentlichen Sinn handelt es sich bei einer Umschulung um eine längere, gegebenenfalls geförderte Weiterbildung“, erklärt Thomas Kruppe vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Und zwar mit dem Ziel, einen Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf zu vermitteln.

Die Maßnahme sei grundsätzlich für Personen gedacht, die bereits einen Abschluss haben und sich umorientieren möchten oder müssen. Geringqualifizierte, die noch keinen Berufsabschluss besitzen, können sich über solche Angebote ebenfalls weiterbilden, um bessere Chancen auf einen Job zu haben. Das werde ebenso als Umschulung verstanden.

Wann eine Umschulung für Berufstätige möglich oder nötig ist, ist unterschiedlich. „Natürlich kann es sein, dass sie etwa durch eine Kündigung dazu gezwungen sind, sich umschulen zu lassen“, sagt Karriereberaterin Lucy Merzenich-Lang. „Unabhängig davon ist eine Umschulung immer dann sinnvoll, wenn ein neues Berufsziel mit Hilfe einer Ausbildung angestrebt wird.“ Etwa, wenn aufgrund der Digitalisierung der Arbeit neue Qualifikationen notwendig sind.

Natürlich ist es bei einer Umschulung zunächst entscheidend, für welchen Beruf sie die Teilnehmer qualifizieren soll. Sie ist ein Schritt in eine neue berufliche Zukunft. Wichtig sei es daher, auf die eigenen Fähigkeiten zu schauen, rät Merzenich-Lang: „Was geht mir leicht von der Hand? Wo habe ich eine besondere Gabe, eine Fähigkeit und ein Talent? Wobei vergesse ich Raum und Zeit?“ Soll die Umschulung von der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden, ist allerdings nicht allein die eigene Begeisterung entscheidend – für eine Förderung braucht es bestimmte Voraussetzungen. „Darüber wird individuell und nach ausführlicher Beratung mit dem Kunden entschieden. Dabei spielen etwa Arbeitsmarktchancen in der Region eine Rolle“, erklärt Christian Weinert von der Bundesagentur für Arbeit. Auch ein fehlender oder nicht mehr verwertbarer Berufsabschluss kann eine Umschulung notwendig machen. Ein Berufsabschluss sei dann nicht mehr verwertbar, wenn eine Beschäftigung in einem dem Abschluss entsprechenden Bereich voraussichtlich nicht mehr ausgeübt werden könne. Beispielsweise, weil jemand mehr als vier Jahre in einer anderen, an- oder ungelernten Tätigkeit gearbeitet hat.

„Liegen die Voraussetzungen für eine Förderung vor, erhalten Kunden einen Bildungsgutschein“, sagt Weinert. Der garantiert die Übernahme der Weiterbildungskosten und gegebenenfalls die Weiterzahlung des Arbeitslosengelds. Zu einer Umschulung verpflichtet werden können Arbeitslose nicht: „Die Teilnahme ist freiwillig.“

In Unternehmen sind neue Qualifizierungen durch Umschulungen durchaus beliebt: „Ich mache die Erfahrung, dass Arbeitgeber – auch durch den Fachkräftemangel – händeringend nach qualifiziertem Personal suchen“, sagt Lucy Merzenich-Lang. „Sogenannte Zick-Zack-Lebensläufe werden zur Normalität und zeigen, dass ein Bewerber vielseitig interessiert ist und sich gut auf neue Situationen und Arbeitsfelder einstellen kann. Quereinsteiger sind also gefragt.“ dpa/tmn

Umzug für Ausbildung: Anspruch auf Ausbildungsbeihilfe prüfen

Einige Ausbildungen können Azubis nicht überall absolvieren. Vielleicht ist der neue Betrieb zu weit vom Wohnort entfernt, um bei den Eltern wohnen zu bleiben. Neben dem Start in die Ausbildung, müssen Azubis dann den neuen Alltag in der ersten eigenen Wohnung meistern. „Auszubildende, die für ihre neue Lehrstellen umziehen, sollten prüfen, ob sie Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe haben“, rät Sabrina Schittel vom Azubi-Beratungsbüro Azuro in München. Mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) unterstützt die Bundesagentur für Arbeit Auszubildende, die in einer eigenen Wohnung leben. Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann zum Beispiel Zuschüsse für Miete, für Fahrten zur Arbeit oder nach Hause zur Familie bekommen. Wichtig sei, sich aber schon vor der Ausbildung Gedanken zu machen, empfiehlt Schittel. Häufig sei das Leben in einer eigenen Wohnung teurer als sich Auszubildende das vorgestellt haben. „Gerade in Städten wie etwa München muss ich vorher genau gucken, ob ich mir das leisten kann“, sagt sie. Angehende Azubis sollten prüfen, ob es neben der BAB möglicherweise auch von anderer Seite finanzielle Hilfe gibt – oft würde der Betrieb etwa Unterstützung für die Fahrtkosten anbieten. Ob jemand Anspruch auf BAB hat und wie hoch der Zuschuss voraussichtlich ausfällt, können Interessierte mit Hilfe des BAB-Rechners unter www.babrechner.arbeitsagentur.de ermitteln. dpa/tmn

Kindergeld für Volljährige: Was als Ausbildung zählt

Eltern können auch für volljährige Kinder Kindergeld bekommen. Die Voraussetzung: Die Kinder befinden sich in einer Ausbildung. Dann läuft die Zahlung auf Antrag bis zum 25. Geburtstag weiter. Als begünstigte Bildungsmaßnahme gelten dabei nicht nur Studium und Lehre. Die Zeitschrift „Finanztest“ (Heft 7/2019) gibt eine Übersicht:

Praktikum: Erste Erfahrungen für das Berufsleben oder die Ausbildung sammeln junge Erwachsene in Praktika. Ist das Praktikum in der Studien- oder Ausbildungsordnung vorgesehen, wird Kindergeld gezahlt. Auch Praktika, die den Zugang zu einem Studium ermöglichen, werden von der Familienkasse akzeptiert.

Freiwilligendienst: Kindergeld kann auch bezogen werden, wenn das Kind einen Freiwilligendienst absolviert. Infrage kommen zum Beispiel das Freiwillige Soziale Jahr, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, ein Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilligendienst der EU. Auch eine Ausbildung bei der Bundeswehr wird von der Familienkasse unterstützt, zum Beispiel als Rettungssanitäter.

Auslandsaufenthalt: Ein Praktikum im Ausland zählt ebenfalls zu den begünstigten Bildungsmaßnahmen. Laut „Finanztest“ können aber auch Au-pair-Erfahrungen dazu zählen. Nimmt das Kind während dieser Zeit an einem Sprachkurs mit mindestens zehn Stunden pro Woche teil, kann Kindergeld gezahlt werden. Es fließt auch weiter, wenn das Kind dauerhaft im Ausland studiert, aber weiterhin in Deutschland gemeldet ist und die Semesterferien überwiegend zu Hause verbringt. dpa/tmn

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