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Einen Roboterassistenten entwickeln, bauen, programmieren und warten: Das gehört zu den Aufgaben von Spezialisten für autonome Systeme und Robotik. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
Einen Roboterassistenten entwickeln, bauen, programmieren und warten: Das gehört zu den Aufgaben von Spezialisten für autonome Systeme und Robotik. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
24.07.2019, 15:00 Uhr

Zukunftsbranche für Experten

Berufe rund um Künstliche Intelligenz: Der Bedarf an Fachkräften ist riesig

Künstliche Intelligenz erobert die Arbeitswelt. Spezialisten sind gefragt und haben beste Verdienstmöglichkeiten. Doch welche Berufsbilder gibt es in dem Bereich überhaupt?

Selbstlernende Computersysteme? Die können für Unternehmen, die ständig interne Prozesse optimieren müssen, ein echter Gewinn sein. Maschinelles Lernen (ML) ist hier ein wichtiges Stichwort. Basis sind riesige Datenmassen, die mittels Künstlicher Intelligenz (KI) aufbereitet und analysiert werden. Viele Arbeitsprozesse können dann automatisiert ablaufen.

Auf der einen Seite bestehen daher Ängste, dass KI langfristig menschliche Arbeitskraft ersetzen wird. Andererseits braucht es neue Berufsbilder und speziell ausgebildete Informatiker, die Systeme und Anwendungen sowohl trainieren als auch kontrollieren.

„Der Bedarf an Fachkräften ist riesig“, sagt Lukas Klingholz vom IT-Branchenverband Bitkom. Das Problem: Viele Unternehmen haben das Potenzial für ML und KI, können es aber nicht nutzen, weil die Spezialisten dafür fehlen. Doch welche Berufsbilder sind in den Bereichen eigentlich gefragt?

„Im Prinzip sind es drei Gruppen“, erklärt Prof. Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Es gibt Spezialisten für Maschinelles Lernen, Spezialisten für autonome Systeme und Robotik sowie Spezialisten für Sprachtechnologie. In der Regel haben sie sich im Rahmen ihres Informatik-Studiums im Hauptstudium auf KI spezialisiert.

Bis ein virtueller Assistent in der Lage ist, Antworten zu geben, ist es ein weiter Weg. Spezialisten für Sprachtechnologie machen zum Beispiel Smart Speaker fit für ihre Aufgabe. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Bis ein virtueller Assistent in der Lage ist, Antworten zu geben, ist es ein weiter Weg. Spezialisten für Sprachtechnologie machen zum Beispiel Smart Speaker fit für ihre Aufgabe. 
Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Spezialisten für maschinelles Lernen kümmern sich darum, riesige Datenmengen in ein Computerprogramm einzugeben und so zu trainieren, dass es eines Tages selbstständig Probleme löst. Je genauer mit der Zeit die Annahmen werden, desto eindeutiger ist es, dass das Programm – beziehungsweise die Maschine, auf der es installiert ist – selbstständig lernt, und zwar mit Hilfe von Daten und Erfahrungen. „KI-gesteuerte Prozesse werden unter anderem zur Qualitätssicherung eingesetzt“, erläutert Klingholz. Zum Beispiel ein Lackierkontrollsystem das in der Lage ist, binnen Sekunden herauszufinden, ob die Lackierung eines Fahrzeugs fehlerfrei ist.

„Spezialisten für maschinelles Lernen sind momentan besonders stark gefragt“, betont Wahlster. Schon unmittelbar nach dem Studium erzielen sie Jahresbruttogehälter zwischen 60 000 und 70 000 Euro. Der Verdienst steigt mit zunehmender Berufserfahrung.

Spezialisten für autonome Systeme und Robotik wiederum entwickeln und bauen kognitive Systeme und Roboter, die dann unmittelbar mit Menschen kooperieren. Sie programmieren, trainieren und kontrollieren die Systeme und Roboter – und sind für die Wartung zuständig. Beispiele sind etwa autonom fahrende Autos oder Transportsysteme in Fabriken.

Spezialisten für autonome Systeme und Robotik sind weltweit gefragt. Ihr Jahresbruttoverdienst liegt laut Wahlster ebenfalls im Schnitt bei um die 60 000 Euro und kann sich im Laufe der Jahre auf weit über 150 000 Euro steigern.

Ein Sprachassistent im Smartphone oder im Navigationssystem oder ein sprechendes Handbuch zu einem Produkt: Damit haben heutzutage viele Verbraucher tagtäglich zu tun. Bis ein virtueller Assistent in der Lage ist, aussagekräftige Antworten zu geben, ist es ein weiter Weg.

Spezialisten für Sprachtechnologie müssen die virtuellen Assistenten erst für ihre Aufgabe fit machen, also Sprachdaten eingeben und mögliche Dialoge trainieren. Eine Herausforderung besteht etwa darin, einen virtuellen Assistenten so zu trainieren, dass er Blicke und Gestik seines menschlichen Gegenübers erfasst und analysiert.

Spezialisten für Sprachtechnologie werden ebenfalls händeringend gesucht – ihr Jahresbruttoeinkommen beginnt laut Wahlster nach dem Informatik-Studium mit Nebenfach Computerlinguistik mit rund 50 000 Euro – und steigt auch hier mit zunehmender Berufserfahrung. dpa/tmn

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Ausbildung an der Berufsfachschule: Finanzierungsmöglichkeiten prüfen

Altenpfleger, Fremdsprachenkorrespondent oder Medizintechnischer Assistent – verschiedene Ausbildungsberufe werden nur an einer Berufsfachschule angeboten. Wer diesen Weg wählt, sollte sich rechtzeitig mit der Finanzierung auseinandersetzen. Darauf weist die Bundesagentur für Arbeit auf ihrer Seite planet-beruf.de hin. Denn in der Schule verdienen Auszubildende – anders als in dualen Ausbildungen im Betrieb – kein Geld. Sie müssen aber trotzdem ihre Lebenshaltungskosten bezahlen.

Wer eine Ausbildung an der Berufsfachschule macht, kann zur Finanzierung zum Beispiel Bafög beantragen, wie die Bundesarbeitsagentur mitteilt. Das funktioniert online oder beim zuständigen Amt in der Nähe. Auch ein Bildungskredit könne bei der Finanzierung helfen. Wichtig ist, jeweils die erforderlichen Fristen zu beachten. dpa/tmn

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Zusatzqualifikationen können Ausbildung aufwerten

Schon in ihrer Ausbildung können Lehrlinge Zusatzqualifikationen erwerben. Das macht sich gut im Lebenslauf und bringt Vorteile auf dem Arbeitsmarkt, wie das Portal Planet-Beruf.de erklärt. Eine solche Zusatzqualifikation kann speziell auf den eigenen Ausbildungsberuf zugeschnitten sein – zum Beispiel der Betriebsassistent im Handwerk. Damit erwerben Azubis bereits kaufmännisches Wissen, das auch in der Meisterprüfung gefordert wird. Daneben gibt es vom Beruf unabhängige Angebote, etwa Fremdsprachenkurse, Auslandsaufenthalte oder Softwarekurse. Wer solche Qualifikationen vorweisen kann, darf vielleicht neue Aufgaben im Betrieb übernehmen oder hat bessere Chancen im Bewerbungsprozess. Die Datenbank AusbildungPlus bietet unter www.bibb.de/ausbildungplus/de einen Überblick über die Angebote. dpa/tmn

Für die Wunschausbildung auf passende Soft Skills achten

Bei der Wahl des Ausbildungsberufs sollten Jugendliche prüfen, ob sie die nötigen Soft Skills mitbringen. Darauf weist die Bundesagentur für Arbeit hin. Je nach Branche und Beruf sind unterschiedliche Soft Skills gefragt: Wer viel Kundenkontakt hat, sollte zum Beispiel sicher in der Kommunikation sein. In der Pflege oder anderen Gesundheitsberufen spielt Einfühlungsvermögen eine große Rolle. Aber auch Eigenschaften, die nicht gleich mit dem Berufsalltag in Verbindung gebracht werden, können wichtig sein: Humor zum Beispiel. Eine positive Ausstrahlung könne den eigenen Berufsalltag und den der Kollegen erleichtern. Jugendliche sollten vor der Berufswahl über ihre persönlichen Stärken nachdenken und diese gezielt einsetzen. dpa/tmn

MINT-Berufe: Stärken schon in Schul-Wahlfächern und AGs testen

Wer sich für eine Berufsausbildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) interessiert, sollte seine Eignung schon in der Schule testen. Das rät die Bundesagentur für Arbeit. Dazu eignen sich zum Beispiel entsprechende Wahlfächer, Arbeitsgemeinschaften oder Projekte. Darin können Jugendliche prüfen, ob ihre Stärken in diesen Bereichen liegen. Die Bundesarbeitsagentur empfiehlt zur Orientierung etwa eine MINT-AG oder Angebote wie den Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“ und „CyberMentor“, ein Online-Mentoring-Programm für Mädchen in MINT-Berufen. dpa/tmn

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